Forschungsgegenstand

Das Netzwerk “Online-Partizipation” bemüht sich um eine grundlegende Definition seines Forschungsgegenstands. Basis für die hier vorgestellte Definition ist die Diskussion auf dem ersten Treffen des Netzwerks am 5. Oktober 2016 in Berlin. Anmerkungen dazu können direkt online abgegeben werden.

In Kurzform könnte man sagen, dass Online-Partizipation dann vorliegt, wenn sich eine bestimmte Personengruppe freiwillig in aktiver Form und zumindest teilweise online an einem Prozess beteiligen kann, der im weitesten Sinne mit einer zu treffenden Entscheidung verbunden ist.

Ausführlicher kann Online-Partizipation in eine Reihe von Dimensionen unterteilt werden. Diese sind im Folgenden kursiv dargestellt. Dabei sind innerhalb der folgenden Dimensionen notwendige Bedingungen zu erfüllen, damit von Online-Partizipation gesprochen werden kann:

  • Freiwilligkeit: Für die Teilnehmenden muss die Teilnahme freiwillig sein.
  • Aktivität: Die Teilnehmer müssen in irgendeiner Weise aktiv tätig werden können. Eine reine Vermittlung von Informationen Information/Marketing/etc. reicht nicht aus.
  • Partizipationsmedium: Es muss eine Online-Komponente vorhanden sein, wir betrachten aber auch hybrid/blended-participation. Reine Offline-Beteiligung ist ein benachbarter Forschungsgegenstand, von dem wir viel lernen können.
  • Entscheidungsbezug (noch strittig): Die Online-Partizipationsprozesse von Interesse haben alle einen Bezug zu einer Entscheidung. Dieser kann jedoch auch nur mittelbar sein, z.B. im Rahmen vorgelagerter Brainstorming- oder Agenda-Setting-Prozesse. Gleichzeitig zählen auch ganz konkrete Entscheidungen, wie z.B. im Rahmen von E-Voting, zu Online-Partizipation. D.h. grundsätzlich kommen alle Phasen des Policy-Cycles in Betracht, von der Problemdefinition über Agenda-Setting, Politikformulierung, der Implementation bis hin zur Evaluation der Wirkung.
  • Kollaboration (noch strittig): Kollaborative Prozesse (z.B. die Arbeit an einem Wikipedia-Artikel) sind nicht automatisch Online-Partizipation. Im Zuge der Online-Kollaboration kann jedoch Online-Partizipation verwendet werden, um Entscheidungen vorzubereiten oder zu treffen. Online-Partizipation selbst kann auch nicht-kollaborativ, also individualisiert ablaufen, z.B. bei der reinen Abstimmung von Vorschlägen.

Die folgenden Dimensionen können Online-Partizipation zusätzlich differenzieren, ohne die Definition weiter einzuschränken:

  • Thema: Das Thema ist nicht auf Partizipation an politischen Sachverhalten beschränkt – das Thema und der Kontext sind keine Ausschlusskriterien.
  • Initiierende: Der Kreis möglicher Initiatoren/innen unterliegt keiner Beschränkung. Insbesondere geht es nicht nur um Partizipation im Sinne der Beteiligung von Bürgern/innen durch die Politik/Verwaltung. Das Ganze kann bottom-up selbstorganisiert sein oder auch in anderen Kontexten (Unternehmen, Vereinen etc.) ablaufen.
  • Formalität: Online-Partizipation umfasst Prozesse mit verschiedenen Formalisierungsgraden. Sowohl formelle Verfahren als auch informelle Verfahren können Online-Partizipation in unserem Sinne sein.
  • Ziele (noch strittig): Inwieweit ist es wichtig, welche Ziele die Initiatoren oder die Teilnehmenden haben, und ob sie diese bewusst verfolgen? Mit anderen Worten, ist es nötig, dass sich die Partizipierenden bestimmter Motive/Intentionen bewusst sein müssen (z.B. Einfluss auf die Meinung anderer oder auf eine Entscheidung nehmen).
  • Zielgruppe: Dürfen nur Betroffene partizipieren oder auch Interessierte? Dürfen auch Personen mit Expertenstatus teilnehmen?
  • Dauer: Beteiligung kann einmalig, wiederholt oder kontinuierlich stattfinden.
  • Ebene: Beteiligung kann auf lokaler, regionaler, national oder supra-nationaler Ebene durchgeführt werden.
  • Öffentlichkeit (noch offen): Muss Online-Partizipation öffentlich sein, oder kann sie auch in geschlossenen Gruppen stattfinden?